30. April 2016

Iran: Stanley war vor uns hier

Die geheimnisvolle Ruinenstadt Persepolis hat auch schon früher allerlei Wissenschaftler, Kunstsinnige und Abenteurer angelockt. Und fast jeder hat sich in den zweieinhalbtausend Jahre alten Monumenten verewigt.

Ganz in der Nähe des Eingangsportals entdeckte ich die Inschrift vom berühmten Afrikaforscher Henry Morton Stanley. Er war 1870 hier, bevor er zu seiner grossen Afrika-Expedition aufbrach, um den verschollenen Afrikaforscher David Livingstone zu suchen. Den er dann ja auch am Tanganjikasee fand.
Aber das ist eine andere Geschichte.
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29. April 2016

Iran: salzige Wüste

Das heutige Frühstück hält keine Überraschungen parat; Fladenbrot, Käse, Gurken, Tomaten und so. Dazu Tee oder Pulverkaffee - Frau G. sucht ihr Glück in der Kombination von Tee und Pulverkaffe!
Das Wetter ist grossartig und weil wir noch Nordwesten fahren, haben wir heute die Sonne im Rücken. Perfekt.

Nach 100 Kilometer auf der Überlandtrasse zweigen wir nach Osten ab. Nun fahren wir auf der kleinen Nebenstrasse schnurstracks in die Wüste hinaus. Kein Mensch weit und breit, nur einige Schafe. Bald sehen wir am Horizont die erste Sanddünen. Obwohl es nach Meeresstrand aussieht, sind wir doch auf etwa 2‘000 Meter über Meer unterwegs.

Nach insgesamt etwa zwei Stunden Fahrt erreichen wir das karge Dorf Khara. Von hier führt eine holprige Piste auf den Gavkhuni-Salzsee hinaus. Schon bald türmen sich beidseits der Piste grandiose Sanddünen. Goldgelb vor tiefblauem Himmel und bestimmt 100 Meter hoch.

Unsere Seefahrt endet am Tor zur Khara-Saline (n32.0965, e52.7409). Jetzt nach den Winter-Regen ist der Salzsee leider schlammig und unansehlich braun. Im Herbst ist er dann wieder schneeweiss und steinhart - so wie es sich gehört. Dann wird hier auch wieder im grossen Stil Salz geerntet. Jetzt finden wir nur in einigen Salzpfützen. Auf der Wasseroberfläche schwimmt das bei Feinschmeckern begehret „Fleur du sel“.

Vor dem Salinen-Tor steht ein Auto. Der iranische Fahrer erzählt uns, er sei mit zwei Schweizern hier! Und so kommt es, dass wir auf einem völlig unbekannten Salzsee im Zentraliran Landsleute treffen. Zwei nette Kerle. Wir plaudern einwenig, dann müssen wir weiter und wir fahren weiter nach Osten.
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28. April 2016

Iran: Rostam – in Stein gemeisselt

Gar nicht weit von Persepolis sind die Felsengräber „Naqsh-e-Rostam“. Diese Gräber sind aber nicht Erdlöcher, wie wir das kennen, sondern gigantisch grosse, aus der Felswand gemeisselte Kreuze.
Die Kreuz-Fassaden sind mit allerlei Figuren und Ornamenten geschmückt. Aus der Distanz lassen die sich aber nur schwer erkennen. Die eigentliche Grabkammer war hinter der offenen Tür mitten im Kreuz.

Hinter Frau G. sieht man zwei der vier Felsreliefs aus dem 3. Jahrhundert vor Christus, die unterhalb der Grabkreuze aus dem Fels gehauen wurden. Sie zeigen verschiedene Herrscher mit ihren Günstlingen oder Kampfszenen. Auch sie sind gigantisch gross.

Heute wollen wir noch einige Kilometer nach Norden fahren. Die Strasse ist gut und der Verkehr wenig, also lassen wir’s rollen. Die Landschaft ist grossartig, Wüste und am Horizont Schneeberge. Über lange Strecken ist die Gegend menschenleer. Nur ab und zu sehen wir Schafherden oder einen kümmerlichen Bauernhof.

Das „Laleh Hotel“ in Abadeh (n31.1523, 52.6624) ist das einzige auf den 500 Kilometern zwischen Shiraz und Isfahan. Wir bekommen ein nettes Doppelzimmer für 44 Dollar. Im Bad hat es zwei Toiletten nebeneinander; eine zum Sitzen, eine zum Hocken. Bei beiden geht die Spülung nicht, muss ich erst reparieren.

Abadeh ist so eine typische gesichtslos Stadt in der Einöde; eigentlich mehr ein breitgeschlagenes Dorf. Ohne erkennbare Sehenswürdigkeit, aber mit ganz freundlichen Leuten und wirrem Strassenverkehr. Gleich gegenüber zeigt uns der Metallbauer seine kolossalen Eisentore; und die „Delshad Confectionery“ lockt uns mit vielerlei Süsskram.

Nachtessen im Hotel-Restaurant. Es gibt Dschudscheh Kabab, also Hühnchenspiess mit gedämpftem Reis und sauereingelegtem Gemüse. Dazu gibt es einen gemischten Salat mit viel Mayonnaise. Isch richtig gut.
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27. April 2016

Iran: Persepolis – kaputt und wunderschön

Wer nun denkt, meine Frühstücksbilder sähen immer gleich aus, der täuscht sich nicht – es liegt am immer gleichen Frühstück. Heute: Die Variante mit Ei und Saft.

Etwa 60 Kilometer nördlich von Shiraz liegen die Ruinen von Persepolis. Bevor Alexander der Grosse mit seinem Heer hier zu Besuch kam, war das die vielleicht prächtigste Stadt im Orient. Nun sind davon allerdings nur noch die Trümmer übrig. Unglaublich viele Trümmer auf mehreren Hektaren Ruinengelände.

Von den hölzernen Dächern ist nichts mehr übrig und die noch vorhandenen Lehmmauern sind neu. Die Sandstein-Monumente aber sind aus dem 3. Jahrhundert vor Christus, sie sind somit etwa 900 Jahre älter als der Islam.

Ganz besonders gefallen uns die Reliefs überall an den Wänden. Ganz feine Darstellungen von den Delegationen aus vielen verschiedenen Ländern, die dem König die Aufwartung machen. Man kann sie an den unterschiedlichen Frisuren, Waffen und Gastgeschenken gut unterscheiden. Manche bringen Kamele, Löwen oder Affen mit, andere fahre mit Streitwagen vor oder reiten auf Eseln.

Als ich vor fünfundzwanzig Jahren das erste Mal hier war, waren da bloss ein Kassenhäuschen und ein staubiger Platz. Später standen ein paar Souvenir-Buden da und heute gibt es ein Visitor-Centre und mehrsprachige Info-Schilder.

Zur 2‘500-Jahre-Feier Persiens lud der Shah von Persien damals Staatsmänner aus der ganzen Welt hierhin ein. Das war 1972. Die Tribüne und die Gästezelte von damals kann man heute noch sehen. Eigentlich wollte ich etwas Zeltplane nachhause mitnehmen. Seit meinem letzten Besuch ist sie aber inzwischen komplett verschwunden, heute stehen nur noch die Gerippe der Zelte.

Es ist heiss und die Sonne blendet. Nach einer erfrischenden Himbo-Limonade suchen wir unter all den weissen Autos auf dem riesigen Parkplatz unseres und fahren weiter.
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26. April 2016

Iran: Lustgarten, Hamburger und Hipster

Im Bazar versuche ich ein mir unbekanntes Getränk aus einem grossen Topf. Es ist recht süss und darin schwimmen kleine Körner herum. Es heisse „Hadjir“ und werde aus „Irgendwas“ gemacht, sagt der Verkäufer.

Der „Baq-e-Narenjestan“ ist ein alter Palast mit einem wunderbaren Garten. Wasserspiele, Orangenbäume, Palmen und Frühlingsblumen. Wir setzen uns in den Schatten und essen persische Eiscreme. Die zieht Fäden wie Fondue, im Mund schmilzt sie dann aber ganz normal. Isch unglaublich gut.

Nach der Siesta gehen wir noch einmal in den Bazar; das heisst in die verschiedenen Bazare, denn es gibt drei davon. Es ist herrlich. Die Händler sitzen in ihren Warenbergen und warten auf Kundschaft. Erstaunlicherweise sind sie dabei ganz ruhig und quatschen keine Passanten an. Nichts mit dem «luki luki ganz billig» der türkischen Basare.

Teppiche, Gewürze, Kupferwaren, Schuhe, Kleider und viiiel Schmuck. Dazwischen die Süssigkeiten, Nüsse und Trockenfrüchte. Da und dort dürfen wir kosten – meistens ist es sehr süss und klebrig.

Verteilt im Basar gibt es mehrere Innenhöfe, einstige Herbergen. Wahre Paradiese mit Brunnen und Orangenbäume. In einem der Höfe gibt es nun ein Café. Wir sitzen lange da, horchen den Vögeln und schauen zu, wie der Wind Blütenblätter herumwirbelt. Uns ist vögeliwohl.

Auf dem Nachhauseweg sonnenuntergangt es heftig. Die Mauern der Zitadelle glühen goldig und der Turm scheint heute noch etwas schiefer als sonst. Alle Shirazi scheinen unterwegs zu sein, Feierabendverkehr und Abendverkauf in einem. Die Leuchtreklamen der Ladengeschäfte blinken und flimmern in allen Farben. Im Dunkeln schaut sogar unser Hotel schön aus. Wir würden noch gerne länger bleiben, aber morgen wollen wir weiter.

Zum z’Nacht gibt es heute Hamburger und Pepsi, beides aus original iranischer Produktion. Isch gut und preiswert. Und völlig frei von Vitaminen.
Im Iran grassieren zurzeit die Hipster − Bart, dicke Brille, Schmachtlocke, enge Hosen. Und immer ein iPhone am Ohr.
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