1. Juli 2015

reisen in Dosen

Ich staune immer wieder mit welcher Selbstverständlichkeit viele Rucksäckler – sie nennen sich Backpacker – herumfliegen. Während zehn Kilometer unter ihnen das echte Leben vorbeizieht, sitzen sie oben im Flugzeug und schauen Fernsehen. Von den Menschen, den Kulturen und Landschaften unter ihnen bekommen sie nichts mit. Sie sind unterwegs wie Gehörlose in einer nebligen Nacht.

Fliegen ist halt schnell und billig, sagen sie. Das stimmt, aber das sind Ravioli aus der Dose auch. Doch sie sind bei weitem kein Ersatz für Ananas, Couscous und Curry. Das Leben spielt auf der Erde und nicht in der Luft. Weshalb also nur drüber hinwegfliegen. Überlandreisen ist doch viel interessanter; die Geräusche, die Düfte, die Landschaften, die Menschen. Und manchmal auch anstrengend, langweilig und schier endlos. Wie die Realität eben halt ist. 

Unterwegs mit der Bahn, dem Auto, dem Schiff, dem Velo, zu Fuss oder wie auch immer, ist anregender als fliegen. Tut weltreisen, nicht nur drüber fliegen. Man sieht zwar weniger, aber mehr davon.
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30. Juni 2015

Sommer und Wurst und brätlen

Sommerzeit. Was gibt es da Schöneres als am Mittag an einen Bach eine Cervelat zu brätlen. Das Feuer knistert und die Sonnenstrahlen zappeln durchs Blätterdach. Die Wurstzipfel biegen sich und der Darm platzt. Es riecht nach fein und mehr.

Wers nicht weiss: Die Cervelat ist dem Schweizer seine Lieblingswurst. Manche sagen auch DER Cervelat und die Basler „Chlöpfer“. Viele denken ja, die Bezeichnung Cervelat komme von „cerebrum“, was lateinisch ist und "Gehirn" heisst. Das stimmt aber nicht – vielmehr kommt der Ausdruck von der gleichnamigen Wurst.
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29. Juni 2015

16 Wohn Mobil

Die japanischen Kleinbusse und Wohnmobile gelten ja gemeinhin als poppelig und bieder. Und die meisten Japaner eigentlich auch. Doch es gibt eine Szene, die hübschen ihre Vans etwas auf.

„Bosozoku“ nennen sie ihre wenig diskreten Kleinbusse. Und sie sind nicht als Wohnmobile erkennbar, also ganz in meinem Sinne.
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28. Juni 2015

Nicht in den Süden

Kurzfristig hat es sich ergeben, dass Frau G. und ich einige Tage Sommerferien haben. Also verreisen - aber wohin? Nicht in den Süden, das ist schon mal klar, denn flirrende Sommerhitze und rotschwitzenden Leiber mag ich nicht. Osteuropa wäre nett, aber da waren wir schon oft und überall. Bleibt also nur der Norden: Grossbritannien oder Skandinavien. In Britannien fahren sie verkehrt herum und man kann nur schwerlich frei Übernachten. Dann halt zu den Wikingern.

Auf nach Dänemark, Schweden, Norwegen. Da waren wir noch nie, allerdings ist die Anreise endloslang und es ist Mücken-und Touristenhochsaison. Aber es gibt Fjorde, Elche und Sonne in der Nacht. Ein Saab-Museum, Ikea und diese Lammerull-Würste. Für den polaren Zipfel wird unser Durchhaltewillen wohl nicht reichen, aber im Süden werden wir bestimmt auch das eine oder andere erleben können.

Wir wären sehr dankbar um "Geheimtipps", oder vielleicht ist jemand von euch da oben unterwegs und möchte mal mit uns kuscheln. Bitte melden.
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26. Juni 2015

Jodler bi dä Tschifeler

An diesem Wochenende ist in unserem Nachbardorf Sarnen Jodlerfest. Das tönt erst einmal ganz harmlos. 3‘500 Jodler kommen und jodeln. „Fyyrä bi dä Tschifeler“ ist das diesjährige Motto.
Ich weiss noch nicht, ob ich mich freuen oder fürchten soll. Immerhin erwartet man 60 - 80‘000 Zuschauer; das sind stattliche 10 Stück pro Einwohner!

Die ganze Woche laufen nun schon die Vorbereitungen. Das Dorfzentrum ist abgesperrt und überall wuseln Bauarbeiter herum. Für die Autofahrer wurden Umleitungen und zusätzlich 10‘000 Parkplätze eingerichtet. Und 40 Gaststätten mit zusammen etwa 12‘000 Sitzplätzen werden den Heuschreckenschwarm füttern.

Uns bleiben eigentlich nur zwei Möglichkeiten: Mitmachen oder fliehen. Wir haben uns noch nicht entschieden, aber vermutlich werden wir uns die Fressmeile anschauen gehen. Das letzte Mal war da eine wunderbare Stimmung. Unter den Kastanienbäumen sitzen und eine Wurstschnecke mit Risotto essen. Hinter dem Schwanderberg geht die Sonne unter und ein lauer Abendwind streicht durchs Haar. In der Ferne erklingt ein Alphorn und an der Klostermauer röchelt einer seinen Durst in die Blumenrabatte. Sooo schön.
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