1. Oktober 2014

Marokko: langsam viel Meer

Vor unserem Fenster schleicht der Horizont vorbei. Die Morgensonne ringt mit den Wolken – und verliert. Es ist ruhig, nur ab und zu schreit der Deckenlautsprecher mehrsprachig in unsere Kabine. Wir dösen oder tun nichts. Zwei Tage Schifffahrt stehen uns nun bevor.

Lange Korridore kriechen durchs Schiff. Irgendwo flackert eine Deckenlampe und in einer Wandnische langweilt sich ein Feuerlöscher. Manchmal hört man hinter einer Kabinentür ein Gemurmel. Ansonsten herrscht eine wunderbare Langeweile.

Als wir gestern im Hafen aufs Einsteigen warteten, waren wir kaum ein Dutzend Touristen. Alle anderen waren Afrikaner mit ihrem Hausrat auf dem Dach. Erst kurz vor der Abfahrt kamen dann noch fünf Reisebusse voller Senioren angebraust. Diese bevölkern nun das Schiff. Sie tragen beige Gesundheitslatschen und Bauchtaschen.

Bereits am Mittag zwischenlanden wir in Barcelona. Vorbei an gigantischen Kreuzfahrt- und Containerschiffen gleiten wir in den Hafen. Wir sitzen auf dem Oberdeck und schauen zu, wie die Bustouristen von Bord fahren. Jetzt hat es plötzlich überall wieder freie Stühle.

Den Nachmittag verbringen wir mit Dösen und Lesen. Das Schiff schnurrt derweilen wohlig vor sich hin. Am Abend müssen wir noch die marokkanischen Polizei- und Zollformaltäten erledigen. Wieder macht das Frau G. auf geniale Weise. Sie bildet eine eigene Frauen-Warteschlange und stellt sich an deren Spitze – und wird als allererste abgefertigt.

Am Abend essen wir im Restaurant; Frau G. ein Hühner-Etwas und ich den berühmten Tintenfisch-Salat. Na ja...
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30. September 2014

Marokko: aller Anfang ist öd

Morgennebel. Die Po-Ebene ist arschflach, Reisfelder und zittrige Pappeln. Die Autobahn zieht uns pfeifengerade nach Süden. Dann kommen erst die ligurischen Berge und kurz darauf Genuain Sicht. Ein Häuserbrei, der wie Schorf über die Hügel wuchert. Dazu ein unsägliches Gewirr aus Strassen und Brücken. Frau G. gefällt’s.

Im Hafen erledigen wir zuerst die Formalitäten. Also eigentlich macht das Frau G. Sie benutzt den „Frauenschalter“ - sie marschiert einfach der Warteschlange vorbei direkt zum Schalterbeamten vor. Keiner murrt.

Unser Fährschiff ist schon da. Es heisst „Fantastic“ und kalbt grad die letzten Autos. Wir warten geduldig. Rund um uns herum sind wieder diese üppig bepacken Kleinbusse. Auf den Dachträgern türmen sich mannshohe Packen mit Möbeln, Teppichen, Velos. Einer hat sogar eine komplette Badezimmerausstattung auf dem Dach, inklusive gebrauchter Badewanne und Klo.
Diese Hochstapler sind alles Marokkaner. Ich frage einen von ihnen, ob er das gewerblich oder privat mache. Er weiss es nicht, sagt er.

Es ist bewölkt und schwül. Manchmal bringt ein Windlein etwas Abkühlung und den würzigen Geruch von Pisse herbei. Schön hier.

Am späten Nachmittag beginnt das Einschiffen. Mehr als dreihundert Autos versuchen sich gleichzeitig durch ein einziges Tor in den Schiffsbauch zu drängeln. Stockend kommen wir voran. Auf der steilen Rampe hat einer Diesel verloren. Der betagte und deutlich überladene Transporter vor uns kommt nicht hoch, er rutscht auf der Schleimspur rückwärts und blockiert alles. Ein Stapler zerrt ihn dann ins Schiff hinein. Dann fahren auch wir an Bord.

Unsere Kabine hat die Nummer 7129 und ein Fenster. Sie ist schön und riecht ein wenig – öhm – abenteuerlich. Pünktlich um sechs fährt unser Schiff los. Genua verschwindet hinter uns in der Abenddämmerung.
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29. September 2014

Marokko: unsere Afrika-Expedition am Po

Wir wollten dem Wochenend-Verkehr zuvor kommen und sind darum schon gestern* Abend losgefahren. Dem Gotthard-Stau können wir uns grad noch vorbeimogeln, doch im Gotthard-Tunnel gehen dann plötzlich alle Ampeln auf Rot. Mutterseelenallein stehen wir da mitten im Berg. Nach einer halben Stunde Pause dürfen wir weiterfahren – war bloss ein Pannenfahrzeug.

Ich bin übellaunig. Ich mag den Hafen von Genua nämlich überhaupt nicht. Früher bin ich jedes Jahr vier, fünfmal von da nach Afrika geschifft. Jedesmal der gleiche einfältige Papierkram und dieses chaotische Einschiffung. Es ist mir dermassen verleidet... Und jetzt muss ich wieder dahin! Nun denn.

Im Tessin regnet es und als wir die Schweiz verlassen ist es bereits dunkel. Wir fahren noch bis hinter Mailand, dann machen wir Feierabend. Wir übernachten direkt am Ufer des Ticino, gleich bei der Schwimmbrücke von Bereguardo.

Die Schwimmbrücke ist jetzt genau hundert Jahre alt und eine der wenigen in Europa. Die ersten Pontons waren noch aus Holz. Später wurden sie durch solche aus Beton ersetzt; einer liegt noch am Ufer, und nun sind sie aus Stahl.

*Übrigens: Wenn ich "gestern" schreibe, so ist das nicht gestern, sondern vor einigen Tagen. Oder letzte Woche...
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27. September 2014

schräges Gefälle

Auf einer Skala von 1 bis 10; was ergibt 3 mal 7?
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26. September 2014

erogene Zone im Kühlschrank

Die Mortadella-Scheibe klebt an der Plastikfolie. Der Rand bräunlich verfärbt und leicht nach oben gewölbt, die Fettaugen ranzig und eingefallen. Ihr kennt das doch auch?
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