31. Oktober 2014

Marokko: leichtes Augenschwitzen meinerseits

Da wir direkt vor dem Hafen-Tor übernachtet haben, sind wir schon da. Wir tauschen unseren Buchungs-Code gegen richtige Billets und fahren dann in den Hafen. Die Polizei- und Zollkontrolle dauert nur einen Augenblick. Anschliessend wird unser Möbelwagen noch geröntgt – alles OK.

Am Quai sind wir die ersten Passagiere und ganz vorne. Hätten wir gewusst, dass wir bei den Kontrollen so zügig durchkommen, wären wir vielleicht etwas später aufgestanden. Also tun wir erst einmal frühstücken und duschen. Dann warten.

Schon bald biegt unser Schiff um die Mole. Es heisst „Ciudad de Malaga“ und ist ausgesprochen hässlich.
Hinter uns hat sich mittlerweilen eine Kolonne von zwei Fahrzeugen gebildet. Um halb zehn fahren wir aufs Fährschiff. Nach uns werden noch eine Handvoll Lastwagen-Anhänger hineingestellt und einige verspätete Passagiere eilen noch herbei. Um zehn sollte es losgehen, als wir dann ablegen, ist es dann allerdings schon Mittag.

Ich stehe an der Reling und schaue wehmütig, wie Afrika immer kleiner wird. Währenddessen liegt Frau G. auf einem Sofa und döst.

Aussen mag unser Schiff vielleicht hässlich ausschauen, aber innen versprüht es den Charme eines kaukasischen Irrenhauses. Alles ist fest verschraubt und aus Plastik. Aber sehr grosszügig, für uns zwanzig Passagiere!

Seltsamerweise landen wir pünktlich in Algeciras. Rasch sind wir von Bord und in Spanien. Als ich vom Schiff aus Gibraltar anschaute, fiel mir ein: Da war ich noch gar nie! Warum also nicht mal hinfahren?

30. Oktober 2014

Marokko: quer durch Tanger

In dieser Nacht hat es geregnet. Und wie! Am Morgen ist alles pflotschnass und feuchtgrau. Einzig unsere Katze ist draussen unterwegs gewesen. Zum gemeinsamen Frühstück bringt sie gleich fünf hungrige Kumpel mit. Die lassen wir aber nicht rein.

Heute ist unser letzter Tag in Marokko, also los. Kurz nach dem Mittag sind wir bei der Herkules-Grotte. Die ist zu, auch alle Strassencafés und die Zufahrtstrasse dahin. Gut, dann fahren wir halt zum Leuchtturm am Cap Spartel.

Für einen Moment scheint die Sonne. Wir setzen uns in eine Gaststätte und essen Chawarma. Dann kommen wieder dunkle Wolken und wir fahren nach Tanger zum Einkaufen. Der Marjane verkauft sogar spanischen Schinken!

Aus einer Laune heraus fahren wir mitten durch die Millionenstadt Tanger. Schön hier, wie eine französische Mittelmeerstadt: Stockender Kolonnenverkehr. Dann immer an der Küste entlang bis zum Hafen Tanger Med.

Unser Schiff fährt erst morgen Vormittag. Die Zeit nutzen wir und schauen uns den nagelneuen Bahnhof Tanger Med an. Beeindruckend; aber in der Bahnhofhalle sind erst zwei Geleise fertig, der Rest ist noch Rohbau.

Wir übernachten in der Nähe der Hafen-Einfahrt. Nicht besonders malerisch, aber mit einem grandiosen Sonnenuntergang und praktisch. Morgen sollten wir um sieben am Check-in sein, nur ein kurzer Spaziergang von hier.

29. Oktober 2014

Marokko: Brückentag und Elefantenfurz

Heute in aller Frühe habe ich die Fähre nach Spanien gebucht. In zwei Tagen fährt sie. Also machen auch wir uns auf den Weg, noch sind es einige hundert Kilometer.
Wir fahren auf der Landstrasse und nicht auf der Autobahn, weil wir – also eigentlich ich - unterwegs noch einige Brücken anschauen müssen. Und zwar die beiden alten Hängebrücken über das Oued Ykem und über das Oued Cherrat.

Beide Brücken wurden 1919-22 vom französischer Ingenieur und Industrieller Ferdinand Arnodin gebaut. Sie sind baugleich und ihre die Spannweite beträgt gut 100 Meter. Es sind „typisch französische“ Hängebrücken mit zusätzlichen Schrägseilen.

Für uns geht es weiter nach Norden in die Gegend östlich der Hauptstadt Rabat. Hier wird zurzeit die neue Stadtautobahn Rabat-Salé gebaut; mehr als vierzig Kilometer neue Strasse entstehen.

Die neue Bouregreg-Brücke (N33.9389, W6.7599) wird das neue Tor zur Hauptstadt. Die beiden Pylonen sind knapp 200 Meter hoch und die Spannweite beträgt 380 Meter. Seit dem vergangenen August sind sie fertig und nun werden die Fahrbahnplatten betoniert und die Schrägseile montiert. Geplant vom französischen Architekturbüro Strates, gebaut von einem chinesischen Baukonzern.

Wir schauen uns die Baustelle an, dann fahren wir dem Fluss „Bou-Regreg“ entlang. Das Flusstal ist sehr idyllisch – aber hier befinden sich auch die Mülldeponien der Stadt. Manche Kehricht-Laster sparen sich anscheinend den weiten Weg dahin und kippen schon vorher ab!

Heute übernachten wir in Moulay-Bousselham. Auf dem Camping treffen wir ein Pärchen aus Australien. Sie sind mit einem Campingbus hier. «eine weite Anreise» sage ich, doch sie fuhren bloss von England hierher.

Am Abend veranstalten sie wieder einen dieser grossartigen Sonnenuntergänge. Zudem läuft uns eine Katze zu. Sie liegt auf meinem Schoss und schnurrt zufrieden. Und stinkfurzen tut sie wie ein Elefant.

28. Oktober 2014

Marokko: Süssgebäck und Eisenbahn

Aus den farbigen Wolken von gestern Abend ist nun Regenwetter geworden. Also genau das richtige Wetter für eine Bahnfahrt. Wir starten am neuen Bahnhof „Mohammedia“. Unser Zug ist ausgerechnet so ein italienischer Doppelstock-Triebwagenzug; ich wollte doch unbedingt mit einem klassischen Fernzug fahren. Dann halt auf der Rückfahrt.

Wir sausen ziemlich schnell über die flache Landschaft. Schon nach etwa vierzig Minuten erreichen wie den Hauptstadtbahnhof „Rabat Ville“. Umsteigen auf die Strassenbahn. Die ist brandneu und erst seit drei Jahren in Betrieb. Ein elegantes Niederflurtram von Alstom fährt uns hinüber in die Schwesterstadt Salé.

Salé wurde bis jetzt vom Tourismus noch nicht entdeckt. Hier ist es noch urtümlich und auch etwas schmuddelig. Und schön. Wir tun stadtbummeln und besichtigen einige Konditoreien. Zuerst ein Blätterteig-Hörnchen mit Schoko-Füllung.

Dann versuchen wir ein Pastilla mit orientalisch gewürztem Taubenfleisch, Nüssen und Puderzucker. Und eines mit Oliven und ohne Puderzucker. Schmecken beide gut und speziell.

Mit der Strassenbahn der Linie 2 gleiten wir zurück nach Rabat, bis zur Medina. Ab hier flanieren wir den breiten Boulevard entlang hinauf zum Bahnhof „Rabat Ville“. Vorbei an prächtigen Kolonial-Villen und dem Regierungsgebäude.
Nun noch einmal eine Strassenbahnfahrt bis in die Nähe des Bahnhofs „Rabat Agdal“. Hier muss ich unbedingt dies und das und eine Dampflok anschauen. Von hier fahren wir zurück nach Mohammedia. Der Fernzug ist pflatschvoll, so dass wir auf den nächsten warten. Wieder ein Doppelstock-Triebwagenzug fahren. Es regnet noch einmal heftig, dann ist wieder sonnig.

In Mohammedia wartet unser treuer Möbelwagen auf uns. Wir fahren wieder zum Camping „l'Océan Bleu“. Auf der Baustelle nebenan hocken zwei Kerle und machen Musik. Einer spielt eine einsaitige Gitarre, der Andere trommelt auf einem Eimer.

Am Abend spazieren wir auf die Klippe und beäugen den Sonnenuntergang. «Kennst du einen, kennst du alle» zitiere ich den römischen Dichter Terentius. Frau G. findet mich unromantisch.
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27. Oktober 2014

Marokko: Aberglauben und Augenglühen

Wir nutzen die ruhigen Morgenstunden und fahren nach Casablanca. Die Stadt hat immerhin vier Millionen Einwohner und wächst stürmisch. Schon weit ausserhalb sehen wir die Baustellen und die Hütten-Siedlungen.

Auf einer winzigen Felseninsel direkt vor dem Badestrand steht der Marabout „Sidi Abderrahman“, das Mausoleum eines Lokalheiligen. Sidi Abderrahman war ein seeehr frommer Mann und konnte sogar übers Wasser gehen – sagt man. Praktisch, denn bis vor kurzem kam man bloss bei Ebbe auf seine Insel, nun gibt es eine Brücke.

Rund um seine Grabstätte herum stehen zahlreiche gemauerte Kämmerchen. Darin empfangen Wahrsagerinnen und Wunderheilerinnen ihre Kundschaft. Vor allem junge Frauen pilgern wegen ihres Kinderwunsches zum Sidi Abderrahman. Wenn nötig, wird auch mal ein Huhn oder eine Ziege geopfert.

Wir fahren aber weiter stadteinwärts, immer an der Corniche entlang bis zum Leuchtturm „El Hank“. Von hier sehen wir quer über die Bucht die grosse Hassan-II.-Moschee. Die wollen wir uns näher anschauen.

Die Hassan-II.-Moschee wurde 1993 nach nur sechs Jahren Bauzeit eröffnet. Die Moschee ist gigantisch gross; eine der grössten Kirchen der Welt. Das Minarett ist mehr als 200 Meter hoch, somit deutlich höher als die der gotischen Kathedralen in Europa.

Der Gebetsraum fasst etwa 25‘000 Gläubige und hat die Ausmasse eines Fussballstadions. Marmorböden. Granitsäulen, geschnitzte Zedernholzdecken und Kronleuchter aus feinstem Kristallglas. Aber keine Möbel und Bilder.

In Hof haben weitere 80‘000 Beter Platz. Im Untergeschoss befinden sich zwei grosse Hallen für die Waschungen vor dem Gebet. Lotusförmige Marmorbrunnen und schöne Mosaike. Nebenan noch je ein Hamam für Frauen und Männer. Mit je einem eigenen Schwimmbad.

Das Bauwerk wurde vom französischen Städteplaner und Architekten Michel Pinseau geplant und vom französischen Baukonzern Bouygues gebaut. Und das sieht man ihm auch an, denn die Ornamente wirken sehr technisch und steif. Aber die Türen aus Titan und Messing finde ich wunderschön.
Soviel Baukultur macht mich hungrig und darum fahren wir nach Mohammedia, einem Hafenstädtchen nicht weit von Casablanca. Fischrestaurants soweit das Auge reicht – aber Frau G. möchte heute lieber keinen Fisch. Nach intensiver Suche finden wir ein Lokal, das auch Pizza kann.

Zum Schlafen fahren wir zum Camping „l'Océan Bleu“. Direkt am Atlantik und umgeben von Baustellen. Ein frischer Wind raschelt durch die Baumkronen und nebenan bellt ein Köter. Es ist kühl. Über den Himmel schieben sich dunkle Wolken.
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25. Oktober 2014

Marokko: Dreckfrosch

Auch hier in Marokko steht der Winter vor der Tür.

Kürzlich habe ich schon das erste Yamazuki Dreirad im Winterpelz gesehen.

24. Oktober 2014

Marokko: junge Delfine stupsen

Wir verlassen zeitig unseren Schlafplatz in Oualidia. Kein Nebel, heute scheint wieder die Sonne. Wir rollen gemütlich an der Küste entlang nach Norden. In der Lagune sehen wir die Austernbänke und eine Piste hinüber ans Meer. Mehr als Fünf Meter hohe Wellen donnern hier schäumend gegen die Felsen. Die Felsen wiederum sind dicht mit kleinen, schwarzen Muscheln bewachsen. Eine Urlandschaft.

Etwas später kommen wir an Salinen vorbei. In vielen und grossen Becken lässt man hier das Meerwasser verdunsten, bis das Salz auskristallisiert und wie Sand zu Boden fällt.

Die zahlreiche Möwen sorgen wohl für den feinen Geschmack des Meersalzes? Jedenfalls hocken sie überall in den Becken und gucken ganz erleichtert.

Einst bauten die Portugiesen die Zitatdelle von El-Jedida. Später wohnten hier die Juden und heute ärmere Marokkaner. Wir schlendern durch die Gassen und auf der Stadtmauer halb um die Stadt herum. Schauen uns dies und das an, und so.

Gar nicht weit entfernt ist die alte Stadt Azemmour. Wieder eine Altstadt mit hohe Festungsmauern ringsum. Innendrin die Häuser eng beieinander und alle weiss angestrichen. Unrestauriert und untouristisch; man könnte sogar sagen, etwas schmuddelig. Aber eigentlich auch ganz hübsch.

Hier in Azemmour gibt es auch heute noch eine kleine jüdische Gemeinde. Und viele nette Graffitti.

Da es heute wieder ordentlich warm ist, wollen wir an den Strand fahren. Ich stelle mir einen hübschen Palmenstrand vor, wo ich im warmen Sand liege und meine Füsse ins kristallklare Wasser baumeln lasse. Über mir flattern bunte Schmetterlinge und fächern mir kühle Luft ins Gesicht. Und junge Delfine stupsen mich mit ihren rosaroten Nasen an meine Zehen und wollen spielen.

Am Plage Sidi Boumain (N33.3808, W8.2222) ist es genau so, wie ich mir das vorgestellt habe. Bloss keine Palmen und farbigen Schmetterling, und statt der jungen Delfine stupst mich ein Kerl, der nach einem Trinkgeld fragt.

Wir strandspazieren und schauen nach Amerika hinüber. Die Wellen sind ein Wellenreiter-Traum. Dann liegend lesen und dösen. Herrlich schön.

23. Oktober 2014

Marokko: viele Fische und auch im Muger

Die ganze Nacht donnern und tosen die Wellen ans Ufer. Am Morgen sind sie weit aber aussen, Ebbe. Auf den nun freiliegenden und grünbewachsenen Felsen sind Frauen unterwegs und fangen Muscheln. Ein Bub jagt in den kleinen Tümpeln Tintenfische. Die Sonne lugt blind durch den Morgendunst.

Wir fahren gemütlich an der Atlantik-Küste entlang heimwärts. In Essouiriya (N32.050, W9.3406) sehen wir in der Ferne einige Fischerboote. Die wollen wir uns ansehen und landen so Mitten im Hafen. Die Fischer kommen grad mit den Fängen der letzten Nacht heim.

Kistenweise werden die Fische mit Eselkarren in die Fischhalle gebracht. Einige Käufer sind zwar da, aber die tun vorerst bloss schauen. Ich auch.

Vom Meer her schleicht der Nebel übers Land. Mal dichter, dann wieder etwas lichter. Wir trödeln weiter nordwärts. Kaltfeuchte Nebelschwaden.
Dann halten wir bei einem Fisch-Restaurants am Strassenrand. Wir setzen uns hin und schon kommt der Kellner und stellt ungefragt dreierlei Saucen und zwei Teller gebratenen Fischen hin. Wer sitz, soll essen!

Also essen wir gebratene Fische. Frau G. tut mag Fisch am Stück nicht so. Denn sie will nicht von ihrem Essen angeschaut werden. Aber heute beisst sie sich tapfer durch.

Der Morgennebel bleibt auch nachmittags. Immer wenn die Strasse etwas weiter vom Meer weg verläuft, haben wir blauen Himmel und Sonne. An der Küste dann wieder gräulichen Nebeldunst. Am Strand von Oualidia verkauft ein Mofa-Bursche fangfrische Austern und Langusten. Um zu zeigen wie frisch seine Langusten sind, kneift er sie ins Auge – und sie rollt sich reflexartig zusammen! Ob das wirklich Frische bedeutet?

Wir übernachten auf dem grossen Parkplatz mitten in Oualidia. Die Abendsonne verdrängt den Nebel und die Möwen schnäbeln im Unrat herum. Es ist kühl und sauromantisch.

22. Oktober 2014

Marokko: stören tun mich bloss die Anderen

Tagwache in Marrakesch. Die Morgensonne scheint, die Tauben gurren und der Muezzin ruft zum Gebet. Der morgendliche Strassenverkehr ist noch überschaubar und wir kommen ganz gut aus der Stadt hinaus.

Einkaufen im Supermarkt und weiter nach Westen. Die Landschaft ist flach und wird meist landwirtschaftlich genutzt. Unspektakulär und ganz nett. Ab und zu ein Landstädtchen, dann wieder lange nichts. Nach einer ausgedehnten Mittagspause erreichen wir die Atlantikküste und kurz darauf Essaouira. Eine hübsche Altstadt mit schönen Gassen und Plätzen. Ehemals war es eine portugiesische Festung, heute ein beliebter Ferienort.

Jetzt sind viel mehr Touristen da, als das letzte Mal; überall und in Rudeln. Natürlich weiss ich schon; dass wir selber auch Touristen sind, aber stören tun mich halt nur die anderen.

Wir essen noch eine Eiscreme und fahren dann aus der Stadt und suchen uns einen Übernachtungsplatz. Am Strand von Moulay-Bouzerktoun (N31.6395, W9.6763) werden wir fündig.

Die Wellen schlagen schäumend ans Ufer. Schnecken und Muscheln krallen sich am Felsen fest. Ich wage mich knietief in den Atlantik hinaus. Das Wasser ist überraschend kalt. Danach rubble ich mir diese Hautwürstchen von den Füssen. Davon habe ich aber leider kein Foto.

Streichkäse und Sonnenuntergang können sie gut, die Marokkaner.