9. Dezember 2017

Valencia: Stadt mit Freunden

Valencia. Heute kommen Peti und Lucia aus Oropesa zu Besuch. Um neun hole ich sie am Bahnhof ab. Ihr Zug hat eine Viertelstunde Verspätung und kommt nicht auf dem angezeigten Gleis an. Aber wir finden uns trotzdem und schlendern gleich zur Kaffee-Bar in der grossen Markthalle.

Ich möchte unbedingt „Orxata de Xufes“, die legendäre Erdmandelmilch, probieren. Nach etwas herumfragen finden wir einen entsprechenden Verkaufsstand. „Horchata de Chufa“ ist ein milchiges Süssgetränk aus – öööhm – aus Erdmandeln! Und es schmeckt richtig gut, süss und mastig.

Heute wollen wir auf den Miguelete-Turm der Kathedrale steigen. Er ist das Wahrzeichen Valencias. Er hat einen achteckigen Grundriss und ist über 600 Jahre alt. Und er sieht irgendwie unfertig aus. Einfach halb oben abgeschnitten und ein Glockentürmchen drauf gesetzt. Zuerst setzten wir uns aber in eine Strassencafe und geniessen die restliche Sonne. Als wir uns endlich auf den Weg zum Turm machen, ist es bereits bewölkt.

2 Euro und 202 Treppenstufen führen da hinauf, steht unten angeschrieben. Ich habe die Stufen extra mitgezählt, ich will nicht oben ankommen und es nicht bemerken.
Von oben hat man einen tollen Rundblick über die Hausdächer und die Altstadt. Leider ist es wolkig und alles ist grau.

Doch dann lockt mich der Hunger mich wieder vom Turm hinunter. In einer Seitengasse finden wir ein nettes Lokal. Wir bestellen Tapas, die typischen spanischen „Häppchen“. Salate, sauer eingelegte Fischchen, verschiedene Teigküchlein, warmen Käse mit Konfitüre, getrockneten Speck, trockenen Käse  und vieles mehr.

Zum Abschluss gehen wir noch zur Mercat de Colón – der Kolumbus-Markthalle. Eigentlich wollte ich heute die grossartigen Jugendstil-Fassaden fotografieren, denn gestern lagen sie komplett im Schatten. Dafür ist heute Scheisswetter!
Kurz vor fünf müssen Lucia und Peti wieder auf den Zug. Und ich in mein beheiztes Hotelzimmer, denn ich bin immer noch erkältet und kränklich.

7. Dezember 2017

Valencia: der Samenspender an der Mauer

Valencia: Das mittelalterliche Leben war geprägt von Frömmigkeit, Geistern und Dämonen. Und wer nicht gottesfürchtig lebte, dem drohte höllische Verderbnis. Bei den Göttern half ja beten, aber gegen die bösen Geistern reichte das nicht.

Fratzen, Spottfiguren, Neidköpfe und vieles mehr sollen das Unheil abwehren. An den gotischen Bauten kann man noch einige entdecken.

Zum Beispiel an der Ostfassade der Kathedrale. Über dem Almoinator präsentiert eine Frau ihre prallen Brüste. Vermutlich will sie uns damit vor dem sündigen Leben warnen?

An der Westfassade der Lonja de la Seda, der alten Seidenbörse, rubbelt ein Engel seinen Schwengel. Warum und wieso? Wir modernen Menschen verstehen die mittelalterliche Bildersprache kaum noch.

Siehe auch: die Judensau und die Spottfiguren im Elsass

6. Dezember 2017

Valencia: meine Stadt

Valencia. Seit einigen Tagen kränkle und fiebere ich sinnlos vor mich hin. Auch heute Morgen ist es noch nicht richtig besser. Nichtsdestotrotz gehe ich früh in die Stadt. Jetzt am Morgen scheint die Sonne noch nicht in die Gassen hinein und deshalb ist es zugig und arschkalt. Aber die prachtvollen Fassaden schauen im Morgenlicht wunderschön aus.

Ich schlendere weiter in die Innenstadt; bis zum Mercat Central, der grossen Markthalle. Schon aussen sieht sie beeindruckend aus. Und erst recht innen. Eine Jugendstil-Gusseisen-Halle aus den 1920-er Jahren voller Verkaufsläden und Marktstände; über 900 sollen es sein, habe ich gelesen. Dummerweise komme ich aber grad vom Frühstück und kann deswegen bloss mit den Augen essen.

Einzig einen neuen Gürtel kaufe ich, denn der alte steht kurz vor dem Platzen. Rund um die Markthalle gibt es einige schöne Gassen und kleinen Plätze. Beim Jungfrauenbrunnen setze mich in ein Strassencafé und lasse mich besonnen. Ich bilde mir ein, das sei hilfreich beim gesunden.

Valencias Kathedrale sieht irgendwie unfertig aus. Die Türme sind bloss Stummel und eine Fassade hat sie gar keine. Nur Mauern und komische Dächer. Erbaut wurde sie um 1240 in den Mauern einer Moschee. Seither hat man sie natürlich immer wieder umgebaut und ergänzt. Deshalb ist sie heute ein romanisch-gotisch-barocker Stilmix.

Am Nachmittag suche ich mir ein Lieblings-Café für die nächsten Tage. Ich finde das „Café Federal“ und sitze lange da und lese. Es ist richtig gemütlich − und noch wichtiger; geheizt.
Den restlichen Nachmittag streife ich durch die Gassen und schaue dies und das an. Gefällt mir gut, dieses Valencia. Doch obwohl wunderschönes Wetter ist, sind die Gassen schattig und eiskalt.

5. Dezember 2017

nach Valencia: am Ziel

Oropesa del Mar. So, heute fahre ich endgültig weiter. Nach dem Mittag fahren mich Lucia und Peti zum Bahnhof. Wir sind zeitig da, denn ich brauche noch ein Billetes de tren. Diese verkauft hier der Wirt der Bahnhof-Bar.

Mit etwas Verspätung kommt mein Zug angerollt. Es ist ein hartsitziger Regionalzug mit recht wenigen Passagieren. Wir zuckeln an der Küste entlang südwärts. Viele Orangenbäume und wenig Dörfer. Einzig in Castellón ist etwas mehr los.
Nach etwas über einer Stunde Fahrt erreichen wir Valencia Estació del Nord. Valencias Nordbahnhof liegt im Süden der Stadt! Das erinnert mich an Budapest, wo das auch so ähnlich ist.
Die Estació del Nord ist ein prächtiger Kopfbahnhof mit einer imposanten Halle. Doch zuerst suche ich jetzt mein Hotel und schaue den Bahnhof später noch genauer an. Zum Glück ist es nicht weit bis zum Hotel.

Das Hotel Alkazar steht an einer schmalen, verkehrsfreien Altstadtgasse. Das ist gut, denn dann ist es hier wohl schön ruhig, denke ich. Zudem liegt mein Zimmer am Lichthof. Der ist aber so eng, dass ich selbst wenn ich mich strecke und verbiege den Himmel nicht sehen kann. Dafür zerdeppert ein Handwerker im Hof unten irgendwelche Blechkästen.

Valencia sei die kleine, hübsche Schwester Barcelonas sagt man. Und mein erster Eindruck bestätigt das. Der Himmel ist enzianblau und die prachtvollen Fassaden leuchten goldig in der Abendsonne. Und ich habe Hunger. Wegen einer Veranstaltung ist hier aber alles abgesperrt und die meisten Geschäfte sind zu. In einem japanischen Laden kaufe ich Erdbeer-Joghurt und ein Stück Pizza-Imitat. Beides mit eher zweifelhaftem Geschmack, doch der Hunger schluckt's runter.

Im Fernsehen läuft ein Film, den sie in Tabernas gedreht haben. Ich erkenne die Kulissen, denn genau diese haben wir uns diesen Februar angeschaut.

Renfe R. Express 18093, Oropesa-Valencia, 2. Klasse € 8.55

4. Dezember 2017

nach Valencia: Nichtstun und Muscheln

Oropesa del Mar. Jetzt bin ich schon den dritten Tag hier und bleibe noch bis Morgen. Dann muss ich aber los, denn eigentlich will ich ja nach Valencia.
Es ist bewölkt. Das ist tagsüber eher ungünstig, aber dafür ist es in der Nacht sehr mild. Zumindest so mild, dass mein Heizgebläse nie ansprang.

Meine Erkältung von letzter Woche hat mich wieder eingeholt. Mir ist so-la-la und die Nase rinnt. Also bleibe ich zuhause und wohne meinen Bungalow ab.
Zum Glück ist ganz in der Nähe ein Supermarkt, wo ich Reiseausrüstung kaufen kann; Zahnseide und ein Salamibrot. Und auf dem Nachauseweg schaue ich noch bei den Ferien-Maschinen vorbei. Meherere Dutzend zwölfstöckige Ferienhäuser mit jeweils mehr als hundert Wohnungen. Und zur Zeit sind fast alle unbemannt.

Am Nachmittag sind wir drei bei unseren Nachbar Ruth und Mario zum Muschel-Essen eingeladen. Er koche die weltbesten Miesmuscheln aller Zeiten, erzählt man. Und so ist es; die besten Muscheln, die ich ja gegessen habe.

Und dazu gibt es noch gebratene Paprika und danach eine flauschige Torte.
Inzwischen ist die Wolkendecke verschwunden und es weht ein kühler Wind. Wir sitzen noch lange draussen und schauen zu, wie die Sonne hinter den Palmen versinkt.

Auf dem Liegestuhl landet ein schier unterarmlanges Insekten-Getier. Vermutlich ist es eine „Gottesanbeterin“, aber sicher bin ich mir da nicht. Für das Foto tue ich „es“ um platzieren. Es schaut grimmig in meine Kamera.

Heute war ein wunderbarer Tag. Ich habe wie geplant so gut wie gar nichts gemacht.

2. Dezember 2017

nach Valencia: mit dem Flamingo tanzen

Oropesa del Mar. Es war eine kühle Nacht in meinem Bungalow. Die Heizung hat zwar eifrig gebrummt, aber es wurde nicht warm. Am Morgen habe ich die Ursache dann entdeckt: Der Lüftungsklappe war zu und so wurde nur das Heizungsgehäuse warm, meine Wohnung aber nicht.
Ausserdem ist heute bewölkt. Das erste Mal seit vielen Wochen, erzählen die Leute ganz begeistert. Ein schwacher Trost  für mich.

Gegen Mittag radeln wir ins vier Kilometer entfernte Ortszentrum. Neben den vielen Hotels gibt es hinter dem Bahnhof auch noch eine kleine Altstadt. Rund um den hübschen Dorfplatz gibt es einige Cafés. Wir setzen uns in den nicht vorhandenen Schatten blattloser Platanen und geniessen den Urlaub. Zwischendurch scheint die Sonne, dann wälzen sich wieder graue Wolken über den Himmel.


Eine geröllige Burgruine bildet den Höhepunkt von Oropesa. Sie steht auf einem kargen Hügel mitten in der Altstadt. Von da oben kann ich die ganze Landschaft überblicken. In der Ferne sehe ich die Ferienklötze, wo ich wohne.
Die Altstadt ist recht hübsch und sehr spanisch. Doch rund herum stehen lauter Wohnblocks von fragwürdiger Ästhetik.

In einem Strandlokal futtern wir den Tagesteller: Salatteller, grüne Bohnen mit Schinken. Und dann muss ich mich zwischen Tintenfisch oder Hühnerschenkel entscheiden – und mag heute beides nicht. Bestelle dann aber das gebratene Hühnerbein, weil es mit Gemüse und Pommes Frites serviert wird. Und das mag ich.

Manchmal ist es wolkig, dann wieder windig oder himmelblau und warm. Entweder bin ich zu warm angezogen oder friere jämmerlich − Erkältungswetter! Am Strand badet ein einziger Mann und einer fährt mit so einem Kite-Buggy herum. Mich fröstelt.

In der Abenddämmerung pedalen wir nachhause. Im Nachbar-Camping ist heute Flamenco-Abend. Oder Flamingo-Abend? Ich hab’s nicht recht verstanden; aber heute müssen die Vögel ohne mich tanzen…

30. November 2017

nach Valencia: Ferien im Rentner-Paradies

Oropesa del Mar. Für die nächsten Tage wohne ich nun hier auf dem Camping in meinem Bungalow „Playa“. Eigentlich ist das ja bloss eine hölzerne Gartenlaube mit tristen Möbeln und einem Plastik-Bad – eigentlich wie in einem Wohnmobil. Aber es ist urgemütlich und ich fühle mich richtig hier wohl.

Heute will ich ausschliesslich nichts machen. Was mir − das kann ich jetzt schon sagen – auch recht gut gelingt.
Ein Restaurant ganz in der Nähe hat heute Paella-Tag. Die Frau Mutter steht am Herd und kocht eine Reispfanne nach der anderen. Und zwar „Paella valenciana“; die einzig richtige Paella. Also mit in Olivenöl geschmortem Huhn und Kaninchen, dazu mit Tomate, Knoblauch, Safran und weissen und grüne Bohnen. Und mit spanischem Reis.

Auf keinen Fall, so sagt man hier, gehören Fische, Muscheln oder andere Meerestiere in eine richtige Paella. „Arroz con cosas“ − Reis mit Zeugs sei das; Touristen-Paella.

Auf der Mauer hocken Vögel und geiern nach meinem Essen. Immer wenn ich hinaufschaue machen sie einen auf niedliche Singvögel. Aber ich durchschaue die Viecher, ein Moment der Unaufmerksamkeit und die Raubvögel stürzen sich auf mein Mittagessen. Doch ich bleibe wachsam und esse schnell.

Es ist spätsommerlich mild. Wir sitzen den ganzen Nachmittag draussen und plaudern. Später kommen noch Mario und Ruth dazu. Ich kenne sie von früher. Sie wohnen im Sommer auf ihrem Boot und im Winter im Camping-Ferienhaus in Spanien.
Obwohl die ganze Touristenzone menschenleer aussieht, sind die Campingplätze dazwischen gut besucht. Viele Wohnmobil-Überwinterer aus England, Holland und vor allem aus Deutschland. Die meisten sind Rentner und dementsprechend unaufgeregt ist die Stimmung.
Doch alle machen einen sehr zufriedenen Eindruck und sind bester Laune. Es scheint zu gefallen. Vielleicht wäre das ja auch etwas für Frau G. und mich? Später, wenn wir auch alt sind.

29. November 2017

nach Valencia: Vilanova–Tarragona-Oropesa

Vilanova i la Geltrú. Mir kommt es vor, als sei ich schon lange unterwegs, doch dabei ist es erst der dritte Tag. Beim Frühstück sagt die Frau: «Nein, heute gibt es keines»! Gut, dass mein Zug erst um zehn losfährt und ich vorher noch ausgiebig die Cafeterìa de l'Estació heimsuchen kann.

Kurz nach zehn fährt mein Zug nach Tarragona los. Er wird zwar mit zehn Minuten Verspätung angezeigt, ist aber pünktlich. Der Zug ist ein Talgo; ein spanischer Zug mit einem sehr speziellen Fahrwerk. Die Räder befinden sich nicht unter, sondern zwischen den einzelnen Wagen. Geschmeidig wie ein Aal gleitet wir der Küste entlang; 160 km/h. Das Mittelmeer ist himmelblau. Das Land aber ist aber fast überall mit dämlichen Hotels und Ferienhäusern vollgeschissen − öööhm − dicht bebaut.

In Tarragona muss ich umsteigen und habe etwas Zeit für einen Stadtrundgang. Vom nahen Hügel aus kann ich den Bahnhof, den Hafen und das römische Amphitheater überblicken. Die Wintersonne scheint lauwarm und da und dort blühen noch, oder schon wieder Blumen.

Kurz vor zwölf geht es weiter; wieder ein Talgo. Doch diesmal reise ich in der preiswerten Touristenklasse. Wieder sehr bequem und sehr sanft. Wir schweben manchmal direkt am Mittelmeer entlang, meistens aber durchs hüglige Hinterland. Mandarinen-Bäume und sehr-sehr viel Umgebung. Ein paarmal halten wir in einer Stadt. Kaum jemand steigt ein oder aus, und mein Wagen bleibt fast leer.
Pünktlich um halb zwei landen wir in Oropesa del Mar. Draussen warten bereits meine Freunde Lucia und Peti auf mich. Sie wohnen für einigen Wochen hier in Oropesa auf einem Camping und geniessen den spanischen Spätherbst. Doch bevor wir zum Campingplatz fahren, ist jetzt erst einmal Fütterung angesagt. Ich entscheide mich für das Tagesmenü: Bunten Salat, eine Art Gemüse-Rührei und gebratenen Fisch mit salzigem Gemüse.
Die Palmen wedeln und das Meer wellt friedlich vor sich hin. Isch schön hier.

Auf dem Camping Oasis habe ich mir einen Bungalow reserviert. Es ist ein hübsches Holzhäuschen mit allem was man so braucht. Und Peti und Lucia haben alles für mich vorbereitet. Schlüssel, Bettwäsche und ein kanariengelbes Velo. Perfekt.
Wir machen gleich eine kleine Ausfahrt und ich schaue mir die Umgebung an. Gigantische Ferien-Wohnblocks reihen sich hier kilometerweit am Kiesstrand entlang; zehn Stockwerke hoch und jetzt im Winter nahezu unbewohnt. Und eine solche Ferien-Maschine steht direkt neben unserem Camping − und wirft finstere Schatten. Bereits kurz nach drei verschwindet die Sonne hinter dem Wohnblock. Fast wie zuhause.

Renfe Talgo 697, Vilanova-Tarragona, 1. Klasse € 7.10
Renfe Talgo 1111, Tarragona-Oropesa, 2. Klasse € 13.55

28. November 2017

nach Valencia: von Montpellier bis Vilanova

Montpellier. Es ist ein sonniger Morgen. Die Fassaden und dürren Palmen gegenüber leuchten goldgelb. Isch schön hier.
Ich bin frühzeitig am Bahnhof, da ich noch Billets aus dem Automaten ziehen muss. Ich habe einen Code, den ich jetzt in richtige Fahrkarten umwandeln sollte. Ein Eisenbahner hilft mir an den Automaten, denn es geht nur an den weissen Automaten, an den roten nicht.

Der Bahnhof Montpellier Saint-Roch sieht aus wie eine Kathedrale. Eine spektakuläre Stahl-Glas-Konstruktion überspannt die Warthalle im Obergeschoss. Viel Platz, viel Licht, viele Sitzgelegenheiten und schnelles WiFi - perfekt.

Pünktlich um 9:33 fährt mein AVE, ein spanischer Hochgeschwindigkeitszug, los. Er kommt aus Marseilles und fährt nach Madrid. Ich werde aber schon in Barcelona wieder aussteigen; Fahrzeit drei Stunden. Der Zug ist unglaublich leise und die Sessel sind zwar fragwürdig gemustert, aber wirklich bequem.

Schnell wie der Blitz sausen wir westwärts. Schon bald sehe ich das Mittelmeer. Zwischen Sete und Narbonne rasen wir durch die südfranzösische Seen- und Tümpellandschaft. Im schuhtiefen Wasser stehen Flamingos und schauen uns synchron nach.
Hinter Perpignan schiessen wir mit Vollgas in den Pyrenäen-Tunnel und sind schon wenige Minuten später in Spanien. Es ist sonnig und milde 21° warm.
Lange bevor Barcelona hübsch wird verschwinden wir in einem Tunnel. Kurz nach halb eins erreichen wir den unterirdischen Hauptbahnhof "Barcelona Sants". Hier muss ich umsteigen, denn ich will ja weiterhin an der Küste entlang fahren. Und dafür brauche ich auch noch eine Fahrkarte. Also hinauf in die Halle zur Info, dann an den richtigen Schalter und dann wieder hinunter in den Keller zur „Rodalies“. Ungeschickterweise hat man mir den falschen Bahnsteig genannt. Also wieder hinauf, noch einmal fragen und wieder hinunter. Dann kommt auch schon mein Zug.

Mit etwas Verspätung zockelt die Vorortbahn um halb zwei gemütlich aus dem Kellerbahnhof hinaus. Als wir auftauchen sind wir bereits am Stadtrand Barcelonas und durchqueren einfältige Hochhaussiedlungen und Industriegebiete. Nach und nach wird die Küstenlandschaft hübscher.

Um viertel nach zwei erreiche ich Vilanova i la Geltrú. Hierher komme ich eigentlich nur wegen der Bahnfahrt an der Küste entlang. Und wegen dem katalonischen Eisenbahnmuseum. Dass mir für den Museumsbesuch nur wenig Zeit bleibt, wusste ich. Doch wegen der Verspätung reicht es nun nicht mehr - das Museum schliesst in zehn Minuten. Egal, ich mag eh nicht schon wieder alte Lokomotiven anschauen.

Heute wohne ich im Hotel Gatell, nicht weit vom Bahnhof. Es ist recht hübsch und nett – das Hotel und das Froilein am Empfang.

Renfe/SNCF 9731, Montpellier-Barcelona, 1. Klasse € 36.-
Rodalies R2sud, Barcelona-Vilanova i la Geltrú, € 4.10